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ADHS/ADS im Kindes- und Jugendalter

Foto: KatarzynaBialasiewicz

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS oder ADS- ohne Hyperaktivität) beinhaltet Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeit, Konzentration, Impulsivität und der Selbstregulation. Viele Kinder und Jugendliche zeigen Schwierigkeiten im Schulalltag (in Leistungssituationen und in sozialen Situationen) trotz sehr gutem Leistungs- und Begabungsprofil.

Wie wichtig ist es ADHS/ADS zu diagnostizieren und zu behandeln, damit eine altersgerechte Entwicklung mit einem guten Selbstwertgefühl möglich sind?


ADHS wird durch drei Hauptmerkmale definiert, die je nach Alter variieren können:

Unaufmerksamkeit: Leichte Ablenkbarkeit, Probleme bei der Konzentration, Organisation und das Übersehen von Details.

Hyperaktivität: Ein ausgeprägter Bewegungsdrang, der sich bei Kindern oft durch Herumlaufen zeigt, bei Jugendlichen jedoch eher in eine innere Unruhe übergeht.

Impulsivität: Unüberlegtes, impulsives Handeln, Unterbrechen anderer, nicht abwarten können und eine geringe Frustrationstoleranz.


Woran erkenne ich als Elternteil mögliche Symptome einer ADHS/ADS:

  • Mein Kind ist leicht ablenkbar und wir sitzen stundenlang bei den Hausübungen und Schularbeitenvorbereitungen
  • Mein Kind verliert ständig Gegenstände und kann bei Alltagssituationen nicht strukturiert selbständig vorgehen (z.B. selbständiges Anziehen, Zähneputzen, Sachen einpacken, Sachen abgeben etc.)
  • Mein Kind hat ständig Wutanfälle und hat keine Frustrationstoleranz. Kann schwer auf Kompromisse eingehen. Kann sich schwer selbst regulieren.
  • Mein Kind fühlt sich ständig ungerecht behandelt und kann kaum die Meinungen anderer akzeptieren
  • Mein Kind macht viele Fehler in der Schule und bei Schularbeiten trotz guter Vorbereitungen (liest keine Überschriften oder Details)
  • Mein Kind kann mit Langeweile kaum übergehen. Es muss immer etwas Spannendes passieren. Er/sie würde gerne stundenlang online spielen und zocken. Kann nicht selbständig damit aufhören
  • Mein Kind hat Probleme Dinge anzufangen und zu Ende zu bringen
  • Mein Kind hat Probleme mit dem Selbstwertgefühl, da es häufig negative Rückmeldungen z.B. in der Schule bekommt.
  • Mein Kind ist sehr liebenswürdig und beziehungsfähig, wenn es gerade keine negativen Emotionen hat, es sucht viel zwischenmenschliche Nähe und hat viel Humor.

Klinisch-psychologische Diagnostik

Eine gesicherte Diagnose erfolgt durch spezialisierte Klinische PsychologInnen.

Die Diagnostik von ADHS bei Kindern ist ein mehrstufiger Prozess, der sicherstellt, dass die Symptome (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität) nicht durch andere körperliche oder psychische Ursachen erklärt werden können. Es gibt keinen einzelnen "Schnelltest"; stattdessen wird eine multimodale Diagnostik nach medizinischen Leitlinien (wie der S3-Leitlinie) durchgeführt.

 

 

Folgende diagnostische Inhalte sollen berücksichtigt werden:

  • Anamnesegespräch: Ausführliche Befragung der Eltern über die frühkindliche Entwicklung und das aktuelle Verhalten in verschiedenen Lebensbereichen.
  • Fremdbeurteilung: Einholen von Berichten aus Kindergarten oder Schule mittels standardisierter Fragebögen, da die Symptome in mindestens zwei Lebensbereichen auftreten müssen.
  • Psychologische Testverfahren: Neuropsychologische Diagnostik um die Daueraufmerksamkeit, die Ablenkbarkeit und die Impulsivität zu objektivieren. Weiters auch die Durchführung von Selbstbeobachtungsbögen bezüglich der Symptomatik und die differentialdiagnostische Abklärung von anderen Störungsbildern (Z.B. Depression, Trauma), die auch Konzentrationsprobleme beinhalten können.

Nach der Durchführung der Diagnostik:

  • Besprechung der detaillierten Testergebnisse
  • Interventionsmöglichkeiten gemeinsam besprechen (Verhaltenstherapeutische Unterstützung und Therapieplan mit integrierten Eltern- und Familiengesprächen), damit eine altersentsprechende Entwicklung möglich ist und sich ein gutes Selbstwertgefühl entwickeln kann. Sich der Familienalltag leichter anfühlt und mehr positive Erfahrungen in der Schule und mit den Gleichaltrigen möglich werden.
  • Fachärztliche Unterstützung (bei Bedarf)