Psychologische Diagnostik für Kinder & Jugendliche
Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist eine tiefgreifende neurologische Entwicklungsstörung, die sich individuell sehr unterschiedlich äußert. Sie beeinflusst vor allem die soziale Kommunikation, die Interaktion und das Verhalten.
Symptome und erste Anzeichen einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Die ersten Anzeichen treten oft schon im ersten oder zweiten Lebensjahr auf:
- Soziale Interaktion:Verminderter oder fehlender Blickkontakt, kein „soziales Lächeln“, Schwierigkeiten, Gefühle bei sich oder anderen zu erkennen.
- Kommunikation:Verzögerungen in der Sprachentwicklung (z. B. keine Wörter mit 16 Monaten), wortwörtliches Verständnis oder repetitive Sprache (Echolalie).
- Verhaltensmuster:Spezialinteressen, strikte Routinen (Widerstand gegen Veränderungen) und stereotype Bewegungen wie Händeflattern oder Schaukeln.
- Sensorik:Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber Reizen wie Lärm, Licht, Gerüchen oder Berührungen.
Differentialdiagnosen
Es gibt viele andere Erkrankungen und Störungen, deren Symptome den Merkmalen des Autismus sehr ähnlich sind. Die einzelnen Symptome der Autismus-Spektrum-Störung sind nicht spezifisch, das heißt, sie treten auch bei anderen Erkrankungen auf. Erst die Zusammenschau aller Ergebnisse und der Blick auf die einzelnen Merkmale im Entwicklungsverlauf machen eine Diagnosestellung möglich und aussagekräftig.
Daher müssen viele andere psychische Störungen in der Diagnostik ebenfalls in Betracht gezogen werden. Andere Diagnosen, deren Symptome sich mit Autismus überschneiden und teilweise komorbid auftreten können, sind zum Beispiel:
- Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
- Störung mit oppositionellem Trotzverhalten / Störung des Sozialverhaltens
- Störung sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit
- Emotionale Störungen (Angststörungen, z.B. soziale Phobie)
- Affektive Störungen (Depression)
- Zwangsstörungen
- Elektiver Mutismus
- Persönlichkeitsentwicklungsstörungen
- Bindungsstörungen
- Intelligenzminderung
- Fetales Alkoholsyndrom (FAS)
- Sprachentwicklungsstörungen
- Tic-Störungen
Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung:
Wichtige Methoden & Schwerpunkte
Nach einem diagnostischen Prozess kann und soll so schnell wie möglich mit einem psychotherapeutischen Prozess gestartet werden, damit das Kind/Jugendlicher in ihrer/seiner psychosozialen und emotionalen Entwicklung die bestmögliche individuelle Unterstützung für die eigene weitere Entwicklung bekommt.
Wichtige verhaltenstherapeutische Methoden und Schwerpunkte:
Verstärkerpläne: Positives Verhalten wird durch Belohnungssysteme (z.B. Sticker-Charts) gefestigt.
Konfrontation: Schrittweises Herantasten an angstbesetzte Situationen (oft neue Situationen außerhalb der Routine).
Soziales Kompetenztraining: Rollenspiele zur Verbesserung der Kommunikation, der Interaktionen mit Gleichaltrigen und Konfliktlösung.
Kognitive Umstrukturierung: „Mutmacher-Gedanken“ formulieren, um negative Selbstzweifel zu verändern
Emotionen: Welche Emotionen gibt es? Wie kann ich sie bei mir und anderen wahrnehmen? Wie kann ich damit umgehen und auch lernen negative Emotionen zu regulieren?
Einbezug der Eltern
Eltern werden regelmäßig zu Elterngesprächen eingeladen, um auch im Alltag diese Weiterentwicklung in den einzelnen Entwicklungsbereichen zu unterstützen. Elterliche Ressourcen und Stärken werden genutzt. Elterliche Selbstfürsorge ist auch ein wichtiger Bestandsteil des psychotherapeutischen Prozesses.
Psychologische Diagnostik einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) bei Kindern und Jugendlichen
Eine frühzeitige Diagnose durch PsychologInnen/PsychotherapeutInnen ist entscheidend, um die Entwicklung bestmöglich zu unterstützen.
Ablauf der Diagnostik
von Autismus bei Kindern und Jugendlichen
Die klinisch-psychologische Diagnostik von Autismus bei Kindern und Jugendlichen ist ein strukturierter diagnostischer Prozess, der in der Regel 3-5 Termine umfasst und auf international anerkannten Kriterien wie dem ICD-11 oder ICD-10 basiert.
Ablauf der psychologischen Diagnostik:
Erstgespräch & Anamnese
Ausführliche Erhebung der bisherigen Entwicklung (gemeinsam mit den Eltern).
Exploration & Verhaltensbeobachtung
Spiel- und Interaktionssituationen zur Beurteilung der Kommunikation, sozialem Verhalten und emotionaler Entwicklung
Standardisierte und spezialisierte Interviews
…mit den Eltern bezüglich Verdacht auf eine Austismus-Spektum-Störung (ASS)
Abklärung
Abklärung der kognitiven Entwicklung und psychosozialen Entwicklung
Abklärung von Differentialdiagnosen und Begleiterkrankungen
Befunderstellung & Testbesprechung
…gemeinsam mit den Eltern: Zusammenfassung der Ergebnisse und Besprechung weiterer Schritte. Empfehlungen für spezialisierte psychotherapeutische Ansätze (Verhaltenstherapie) und weiteren Behandlungsmöglichkeiten